Offener Brief an Deutschen Fußball-Bund: BSG Chemie Leipzig kritisiert Arbeit des Regionalverbandes NOFV und bittet DFB um Hilfe

In einem offenen Brief an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) kritisiert die BSG Chemie Leipzig nach einem Jahr Erfahrung in der Regionalliga Nordost die Arbeit des zuständigen Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV).

Offener Brief an den DFB; 17.05.2018 (PDF)

Anlass ist ein Sportgerichtsverfahren gegen die BSG Chemie, das dem finanziell seriös agierenden Verein nicht nur ein existenzgefährdendes Strafmaß aufbürdet, sondern das vor allem auch ein nicht mehr zeitgemäßes Verständnis von Fußball, Vereins- und Fanarbeit sowie Verbandsarbeit offenbart. Besonders schwer wiegt in den Augen des Vereins, dass der NOFV dabei die aktuellen Handlungsrichtlinien des DFB, z. B. zum Thema „Kollektivstrafen“ bewusst ignoriert.

Konkrete Kritikpunkte der BSG Chemie gegenüber dem NOFV sind:
• das Beharren auf Kollektivstrafen entgegen den aktuellen Empfehlungen des DFB.
• mangelnde Transparenz, Kritikfähigkeit und ein geradezu obskurer Umgang mit Öffentlichkeit und Medien.
• das Fehlen sachlich herleitbarer Maßstäbe und fehlende Klarheit bei Sportgerichtsurteilen und Strafmaßzumessung.
• unprofessionelle und juristisch unsaubere Arbeit gerade auch bei schwerwiegenden, unter Umständen existenzbedrohenden Urteilen.
• die Ignoranz aktueller Erkenntnisse und Praktiken der Fan- und Präventionsarbeit von Vereinen, Institutionen und Verbänden.
• die weitgehende Ignoranz gegenüber den realen Bedürfnissen von Vereinen und Fans im täglichen Ligabetrieb.

Da alle Versuche einer diesbezüglichen Kommunikation und die Bitte eines Überdenkens von Standpunkten (auch gegenüber anderen Vereinen und Problemthemen) seitens des NOFV bisher auf taube Ohren stießen, bittet die BSG Chemie jetzt den DFB darum, auch den NOFV stärker in seine allseits anerkannten Bemühungen um eine Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Verbänden, Vereinen und Fans einzubeziehen.

Das betrifft insbesondere:
• Durchsetzung der Richtlinienkompetenz des DFB in grundsätzlichen Fragen.
• Erarbeitung eines schlüssigen und nachvollziehbaren Beurteilungs- und Strafmaß-Katalogs für alle Verbände.
• Verbesserung/Initiierung von Information und Schulung der Regionalverbandsfunktionäre über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen insbesondere in Bezug auf Rassismus und Antisemitismus sowie Formen von Fanverhalten, über aktuelle Debatten im „Kosmos Fußball“ und die Positionen von DFB und Regionalverbänden dazu – vor allem auch in Hinsicht auf das Stadion als Ort gesellschaftlicher Diskussionen und Auseinandersetzungen sowie über Meinungsfreiheit und Grundrechte.
• Initiierung einer unabhängigen, mit Fachexpertise ausgestatteten Schlichtungsstelle als vertrauenswürdiger Ansprechpartner für Vereine bei Diskrepanzen mit Regionalverbänden.

Berufungsentscheidung NOFV; 04/2018 (PDF)