BSG Chemie Leipzig fordert Ende der willkürlichen Kriminalisierung von Fans des Vereins

Erneut wurde ein Verfahren der Generalstaatsanwaltschaft Dresden nach § 129 StGB bekannt, das sich in willkürlicher Weise gegen Fans der BSG Chemie Leipzig richtet. Belege konnten jedoch keine gefunden werden, das Verfahren wurde eingestellt. Darüber wurden jetzt erste Betroffene offiziell informiert.

Von August 2015 bis Juni 2018 wurden dabei offensichtlich umfangreiche Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt, unter anderem wurden über mehrere Monate die Telefonate der zwanzig Beschuldigten abgehört. Daraus ergeben sich mutmaßlich mehrere hundert Betroffene, ein Großteil davon aus dem Umfeld der BSG Chemie Leipzig. Betroffen sind auch Spieler, Funktionäre, Fanvertreter sowie das Fanprojekt Leipzig.

Die Parallelen zu einem 2016 bekannt gewordenen ähnlichen Verfahren, das ebenfalls ohne Ergebnis abgeschlossen wurde, liegen auf der Hand. Damals wurde bekannt, dass neben Telefonaten von Fans und der Geschäftsstelle der BSG Chemie auch Gespräche von Journalisten, gewählten Abgeordneten der Stadt Leipzig sowie Rechtsanwälten aufgezeichnet und gespeichert wurden. Ein Ziel der Ermittlungen war der Sozialarbeiter des „Fanprojekt Leipzig“, das mit seiner gewaltpräventiven Arbeit maßgeblichen Anteil an der prinzipiell positiven und integrativen Entwicklung der Leipziger Fußballkultur hat.

Dass wieder Fans der BSG Chemie Leipzig, ein Verein der für klare Positionen gegen rassistische, antisemitische und menschenfeindliche Einstellungen in den Leipziger Stadien steht, ins Visier willkürlich anmutender Ermittlungen geraten sind, wirft selbstverständlich Fragen nach der eigentlichen Zielrichtung solcher Verfahren auf. Im Raum steht der Verdacht, hier würden strafrechtliche Ermittlungen vorgeschoben, um sich ein genaues Bild über Strukturen und Kontakte prinzipiell friedlicher Fußballfans und einer vermuteten „alternativen Szene“ generell machen zu können. Und zwar zu Lasten der Betroffenen und des Vereins selbst.

Denn neben dem großen immateriellen Schaden sind solche – wie sich erneut gezeigt hat: haltlosen – Unterstellungen auch geeignet, potenzielle Fans, Partner und Sponsoren abzuschrecken und gefährden damit die wirtschaftliche und sportliche Entwicklung eines ganz besonders durch die Mitarbeit der aktiven Fanszene erfolgreichen, solide agierenden und durch ehrenamtliche Arbeit getragenen Leipziger Fußballvereins.

Die BSG Chemie Leipzig fordert deshalb schnelle und umfassende Aufklärung über Anlass und Ausmaß der Bespitzelung durch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Darüber hinaus appelliert sie an Politik und Verwaltung des Freistaates Sachsen, die positive Entwicklung des Leipziger Fußballs, an der die BSG Chemie einen nicht unwesentlichen Anteil hat, nicht leichtfertig zum Spielball fragwürdiger politischer Interessen zu machen.

Leipzig, 10. Juli 2018
Vorstand BSG Chemie Leipzig e. V.